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DNS II, Kapitel 5, Teil 2

Veröffentlicht von am in Buch Kapiteln

 

Phil’s Stimme holt Femina aus ihren Gedanken: „Nun, wenn wir schon nicht an Schicksal glauben und wir tatsaechlich keine Nachweise oder irgendwelche Anzeichen haben, die das Auftreten einer Krankheit grundsaetzlich verstaendlich machen, dann kann es nur eine Erklaerung geben: Es ist Zufall dass Krankheit auftritt, Zufall, dass sie die eine Pflanze und nicht die andere befaellt, Zufall, dass sie gerade zu jenem Zeitpunkt auftritt und nicht zu einem anderen. Auch wenn wir die offensichtlichen Ursachen kennen, nicht jeder kriegt schliesslich die Grippe, nur weil es eine Epidemie gibt. Warum also kriegt sie der eine, nicht aber der andere?! “ Er haelt kurz an, faehrt aber gleich wieder fort, ohne auf einen etwaigen Einwand zu warten. „Freilich, die Zufallstheorie hat ihre Luecken! Ausserdem mag sie zu Leichtsinn oder gar Resignation fuehren, wenn man es vom Standpunkt des Menschen aus betrachtet. Obwohl man die Wahrscheinlichkeit und Moeglichkeit akzeptiert, niemand glaubt natuerlich, dass er selber erkranken koennte. Nur andere werden krank, nicht wahr, und man ist geradezu schockiert, wenn es einen selber trifft. Andererseits! Schicksal, als Ursache, laesst sich, wenn man schon krank ist, wahrscheinlich leichter ertragen, denn man kann damit seinem Leid einen Sinn geben und sich in gewisser Weise seiner Eigenverantwortlichkeit entledigen.“ 

Der bis jetzt schweigsame Mitarbeiter unterbricht ihn: „Aus dir spricht die reinste Gottesverleugnung! Du machst doch das Leben zu einem Wuerfelspiel, Pech fuer den einen, Glueck fuer den anderen, wahllos und ohne Regel oder Kontrolle!“ Er wendet sich an sie, in der Hoffnung eine Verbuendete zu finden: „Glaubst du, es ist Zufall?“

„Ja,“ sagt sie, „auch wenn nicht alles Zufall ist , was als solcher erscheint, aber generell gesehen, heisst die Antwort ja. Ich glaube ganz sicher nicht an eine Vorherbestimmung oder an eine Gottheit, die meinen Schicksalsfaden spinnt. Das heisst aber nicht, dass ich deshalb „gottlos“ bin, oder sein muss.“ Sie konnte nicht umhin, zu seiner Bemerkung Stellung zu nehmen, denn seine Schlussfolgerungen fand sie einfach unakzeptabel. 

Er sieht sie nachdenklich an. Sein Gesicht erscheint nun in Grossaufnahme. Es ist, als richte er seinen Blick an sie, Femina, im Raum. Schliesslich fragt er, langsam und betont: „Wie viele unheilbar Kranke kennst du, und wieviele von ihnen glauben an Zufall als Ursache ihrer Krankheit? Oder glauben sie mehr an Schicksal?!“ 

Die Frage kommt so unmittelbar von der Leinwand, dass Femina auf ihrer hoelzernen Bank zusammenzuckt als habe sie einen Peitschenschlag erhalten. Heisse und kalte Schauer jagen ueber ihren Ruecken und in ihren Ohren beginnt es zu rauschen, als wuerde Wasser zum Sieden gebracht. War sie zuvor im Eis festgefroren, jetzt ist sie dem Feuer ausgesetzt. Der Sturm in ihrem Kopf ist daher keine Hilfe. Er wirbelt durch ihr Gehirn und Logik und Verstand und alle Gefuehle tanzen wild durcheinander, ohne Kontrolle und so maechtig, dass ihr Koerper Schweissausbrueche hat. Ein Bruchteil von Verstand ist grade noch faehig ihr den Rettungsring zuzuwerfen, bevor das Feuer gewinnt: ‚Atme‘, ruft er, ‚blas das Feuer weg von dir. Du musst dich auf deine Atmung besinnen! Es hat schliesslich keinen Wert der Panik zum Opfer zu fallen!‘ So konzentriert sie sich denn auf ihren Atem, auf jeden Atemzug. Sie hoert auf seine Geraeusche, wie sie die Luft durch die Nase zieht und dann wieder durch ihren Mund laut und lang und  nachdruecklich ausatmet. Sie muss sich zwingen, solange auszuatmen wie sie nur kann, und zu warten, bis sie den naechsten Atemzug nehmen muss. Langsam zeigt sich Erfolg. Das Einatmen wird langsamer und weniger tief und das Ausatmen endet in laenger werdenden Pausen. Die Stuerme legen sich, das Feuer ebbt aus, Stille beginnt sich auszubreiten, ihr Atem macht keine Geraeusche mehr. 

Sie kann nun in Ruhe fragen, ‚warum diese Panik? Wozu diese Angst? Am Ende steht ohnehin nur der Tod!‘ Offensichtlich!!! Sie will  n i c h t  sterben! Und schon garnicht durch ihre eigene Hand. Auch wenn man weiss, dass irgendwann sein Leben enden wird, es sich selbst zu nehmen ist eine wesentlich andere Angelegenheit. Sie will, ja sie muss, eine bewusste Entscheidung treffen, keine unueberlegte. Denn in diesem Fall kann man schliesslich nichts rueckgaengig machen. Sie hat es immer bedauerlich gefunden, wenn Menschen sich im Zustand der Verzweiflung das Leben nahmen. Andererseits ist sie der Meinung, dass die Verantwortung fuer sein Leben jedem Einzelnen gehoert, ganz und gar und ohne Einschraenkung, solange jedenfalls, wie er faehing ist, Verantwortung wahr zu haben. Sie kennt nur wenige Faelle, die in klarem Bewusstsein Hand an sich legen, wohl aber viele, die im Tumult und in der Verwirrung ihrer Gefuehle, oder ihrer Situation, keinen anderen Ausweg sehen. Sie will ganz gewiss nicht desgleichen tun. 

Wie steht es nun mit ihrer Antwort auf die Frage, Schicksal oder Zufall, nun, da sie selber eine unheilbar Kranke ist? Sie hat sich sehr wohl gefragt; warum gerade ich, warum ueberhaupt? Ist es Pruefung, ist es Bestimmung, war alles fein saeuberlich als Paket in ihre Wiege gelegt? Hatte Dimitri doch recht behalten? Oder, gab es wirklich jenen Potentaten, der da gibt und der nimmt?

Sie hoert im Echo ihrer Gedanken immer wieder: Nein, nein, N E I N ! ! Sie kann und will trotz ihrer verzweifelten Lage nicht gegen ihren ureigensten Instinkt handeln! Sie glaubt nicht an Supermann, nicht an Schicksal oder Pruefung oder aehnlichen Wahnsinn! Es waere nur eine Luege zu sich selbst. Sie glaubt an Zufall, wie auch immer, obwohl, wie sie schon sagte, nicht alles Zufall ist, was als solcher erscheint. Es mag Zufall sein, dass sie in diesem Haus gelandet ist, es ist aber kein Zufall, dass es zu ihrer Krankheit gefuehrt hat. Genau betrachtet, - Schicksal, Zufall, -  das ist ohnehin nebensaechlich! Es geht nur darum, ob sie ihr Leben in Siechtum verbringen kann oder nicht. Damit reduzieren sich jegliche Fragen auf jene grundsaetzliche: Leben oder Tod?

Femina war, mit wenigen Ausnahmen, grundsaetzlich fuer das Leben. War es doch aussergewoehnlich, phantastisch, mysterioes, ja ein Wunder, vom Beginn, wenn man den Weg der Evolution zurueck verfolg, bis zur Zukunft, wenn man dessen Potential bedenkt. Das scheinbar Unbekannte lag im Zuvor und Danach. Es ist aber Wissen, das sie durchaus besass, zu dem sie bloss keinen Zugang finden konnte, hatte sie doch ihr Bewusstsein und jegliche Orientierung verloren; war sie doch von Amnesie geplagt gewesen, bis jetzt jedenfalls. Nun hat sie Zugang, wie es scheint, durch das Tor zum Hades. Das Tor hat sich aufgetan, wenn auch nur spaltweit, aber eben genug. Es erlaubt ihr den Blick in die Tiefe, ihrer und aller Erinnerung. Und es ist ihr nicht einmal mehr so wichtig! Es bringt ihr weder jubelne Freude noch voellige Erleichterung. Alles verliert an Bedeutung, wenn es um die Entscheidung von Tod oder Leben geht. Selbst das Haus, in dem sie gefangen ist,  und auch wenn es Anteil an ihrer Krankheit hat, es ist zweitrangig.  Freilich, so widersinnig es auch sein mag, sie muss ihrer Krankheit dankbar sein. Hatte sie sich nicht geschworen, nach ihrem Bewusstsein, ihrem Wissen, zu suchen, als sie sich ploetzlich ohne dem in einer voellig fremden Welt zurecht finden musste? Tatsaechlich hatte sie die Suche immer mehr vernachlaessigt. Nicht nur weil es zu muehsam war, sondern auch weil sie keinen echten Fortschritt machte und letzten Endes, weil sie ohnehin gluecklich sein konnte, auch ohne es. Die Krankheit hat sie offensichtlich in die Realitaet zurueck katapultiert, und sie hat noch mehr zu Stande gebracht; sie hat ihr essentielles Wissen wieder bewusst gemacht: Sie kam aus dem Nichts, sie ist Materie, ein Produkt von Kraeften, und in diesem Sinne der Traeger des undefinierten Potentials, das a l l e m  als Basis dient, und  a l l e m  uebergeordnet ist. Haengen geblieben in einer drei dimensionalen Welt, mit der vierten Dimension sich oeffnend und vielen anderen noch immer fehlend, sie ist in einer Sackgasse gelandet, ist, sozusagen, ein evolutionaeres totes Ende, dem sie aber ihren Willen aufdrueckt, auf diese, oder jene Weise.

Sie laesst ihren Kopf auf die Lehne sinken. Augenlider geschlossen, sie sind schwer wie Stein. Leere zieht auf vor ihren Augen, es troestet sie umso mehr. Aus dem Nichts zu kommen und in Nichts zurueck zu kehren ist troestlich. Ihr Sein freiwillig aufzugeben, faellt ihr trotz allem schwer. Damit ergeben sich wieder Fragen, vor allem und erneut,  ‚warum wohl‘, wovor hat sie Angst und was verliert sie schon? 

Ihr faellt der Satz ein, den man immer bereit hat, um jemandem zuzureden: ‚Man muss ueber sich selbst hinauswachsen, dann hat man erst sein Ziel erreicht‘, grad so, als sei das Leben ein Wettbewerb oder gar eine Olympiade. Ambitionen sind schon recht und gut, aber sind sie wirklich die Muehe wert? Der Krueppel wird zum Meisterathleten in der ihm verbliebenen Disziplin. Der vom ‚Schicksal‘ so boes bediente, zum Vorbild, und Musterbeispiel fuer Verzagende,...... Jedem das Seine, kann sie da nur sagen und sie gratuliert den Helden von Herzen, denn sie verdienen durchaus ihre Bewunderung; aber ihr persoenlich geht es nicht um eine Meisterleistung, auch wenn man das allgemein als wuenschenswert sieht oder gar erwartet. Will  s i e  das?  N E I N ! ! ! 

Sie weiss um die Einmaligkeit ihres Lebens, aber als welkes Pflaenzlein? Das ist ein Albtraum, aus dem sie besser erwacht! Diese Einmaligkeit und Unwiederbringlichkeit ihres Lebens ist freilich  d i e  Huerde, die sie zu ueberwinden hat. Sie ist der Meinung, dass jedes Leben wertvoll ist, einschliesslich ihres, trotz Krankheit. Sie schuldet sich selbst, es nicht leichtsinnig wegzuwerfen, schon garnicht, weil es eben die leichtere Loesung zu ihrem Problems zu sein scheint. Der leichte Weg mag nicht unbedingt die beste Wahl sein.

Was aber haelt sie von den religioesen Theorien, die alle eine Art Leben nach dem Tod propagieren und in jedem Fall Selbstmord ablehnen, und ausserdem mit allen Arten von Strafen drohen, falls man es doch wagt? Koennte da doch was Wahres dran sein? Sie schnaubt veraechtlich, will jedoch diese Gedanken nicht einfach ignorieren, sondern sie sehr wohl einer naeheren  Betrachtung unterziehen. Schliesslich hat jede Religion ihre Weisheiten, und sie schaetzt alle dementsprechend. Leider, und das ist wohl der Grund ihrer Ablehnung, steht dagegen deren Schwachsinn, der ebenfalls propagiert wird. Sie ist nun einmal der Atheist, was soviel wie ‚ohne Gott‘ sein heisst, aber nur, weil sie keiner bestimmten Religion angehoert. Man  m a c h t  sie ‚gottlos‘. Sie ist daher, und sie stimmt zu, ein Existentialist, aber auch da nicht im selben Sinne, wie es diverse Philosophien auslegen. Sie ist also weder noch, oder sowohl als auch, und das in jedem Falle. Tatsaechlich fuehren diese Gedanken zu nichts, das ihre Entscheidung welcher Art auch immer, beeinflussen koennte. Die Meinung anderer bringt sie nicht weiter.

Und damit bleibt wohl nur noch eine Frage, naemlich die, welchen Sinn sie ihrem Leben zuschreibt. Nun, wenn sie tot ist, weiss sie ohnehin nichts mehr von ihren Taten, egal wie gut sie auch waren! Sie sind nicht der Sinn ihres Lebens. Der Sinn ihres Lebens ist abhaengig von der Gesundheit ihres Koerpers! Wenn dieser nichts taugt, muss sie ihn abstreifen, so wie man sich eines ausgedienten Schuh’s entledigt. Sie will niemandem zur Last fallen, sie will niemandem dankbar sein muessen; sie will helfen, nicht geholfen werden. Sie will die Welt erleben, nicht in ihrem Stuebchen mit Geraeten, die ihr eine virtuelle Realitaet liefern, waehrend sie sich aber kaum mehr fortbewegen kann. Der Sinn ihres Lebens liegt im Lieben und Geben, nicht hassen und nehmen, im Glueck, nicht Leid, im Positiven, nicht im Negativen, welcher Art auch immer.

Freilich! Sie hat bis jetzt ihre Krankheit nur von einer Seite gesehen, naemlich, wie zerstoerend sie ist. Sie mag jedoch einen ganz anderen Sinn haben, wie sich schon erwiesen hat! Moeglicherweise koennte ihre Krankheit Ergebnisse oder Erkenntnisse bringen, die sie sonst nie erlangen wuerde? Also doch ein Krueppelheld? Ehrlich gesagt, der Preis dafuer scheint ihr viel zu hoch. Wie hat Jesus gebetet: „Mein Vater, lass den Kelch an mir voruebergehen!“ Sie kann sich dem nur anschliessen, wenn auch nicht im gleichen Sinne. 

Die Stimmen von der Leindwand dringen wieder in ihr Bewusstsein, wahrscheinlich weil sie nun lauter sind als je zuvor. 

„Es ist absolut laecherlich, Schoepfer und Schoepfung ableugnen zu wollen. Auch wenn man Gott nicht gefunden hat, als man in den Weltraum vorstiess, -  kannst du wirklich die Frage beantworten, woher alles kommt? Ist dir die ‚Causa Prima‘ kein Begriff?!“ Das Gesicht des Mitarbeiters ist geroetet, in seinen Augen funkelt es, zornig aber auch triumphierend. Er vermeint, ein unwiderlegbares Argument zu haben, denn bis jetzt hat noch niemand die ‚primaere Ursache‘ der Schoepfung erklaeren koennen. Fuer ihn ist es der Beweis fuer die Existenz Gottes.

Phil antwortet nicht sogleich. Tatsaechlich ist die ‚causa prima‘ nicht zu entkraeften, egal wie weit die Wissenschaft Schoepfung und deren Ursprung erklaeren kann. Selbst die „Urknall“ Theorie kann nicht alle Fragen beantworten. Aus dem ‚Nichts‘ kommt nichts, - das ist nach wie vor verankert in all den Gehirnen, vor allem jenen, die laterales Denken nicht kennen. Selbst wenn die alten Goetter ungemein an Glaubwuerdigkeit eingebuesst haben, die neuen Goetter der Wissenschaft sind, wenn auch glaubwuerdig, nicht grade unfehlbar. Und die Wissenschaft bestaetigt die causa prima insofern, dass alles sein Mass hat, selbst der unbeschreiblich kleine Punkt, der mit dem Urknall die Schoepfung in Gang setzte. Er ist also nicht wirklich nichts.

Phil antwortet schliesslich: “Tom, ich will mich nicht mit dir streiten. Es steht dir frei, zu glauben, was du willst. Aber du musst mir dasselbe zugestehen. Was ich jetzt sage, und bitte hoere mir gut zu, sollte meine Einstellung klaeren: - Ich nehme mir die Freiheit Ueberlieferung, Dogma und gegebene wissenschaftliche Lehren in Frage zu stellen. Ich bin allen sehr verbunden, aber ich erlaube mir, das propagierte Absolute zu hinterfragen und das Relative auf die gleiche Ebene zu bringen, wie es das Absolute immer fuer sich beansprucht hat, wenn auch ungerechterweise, wohl gemerkt. Damit eroeffnen sich neue Perspektiven. Ich mag dabei durchaus einige Illusionen verlieren, aber sich nicht am Gegebenen fest zu klammern ist stimulierend, zumindest fuer mich. -  Ich glaube nicht, dass wir beide viel erreichen koennten, wuerden wir weiter diskutieren.“

Tom’s Erregung legt sich. „Entschuldige,“ sagt er, „ich weiss. Es ist besser, wir hoeren auf. Mir faellt es tatsaechlich schwer, zu akzeptieren, dass meine Ueberzeugung eben nicht fuer alle gueltig ist. Vielleicht koennen wir ein anderes Mal wieder darauf zurueckkommen.“ Mit einem Zwinkern in den Augen verabschiedet er sich.

Femina erinnert sich, wie froh sie gewesen war, dass Tom sie allein liess. Phil’s Meinung interessierte sie, nicht Tom‘s. Tom war fuer sie ‚establishment‘, Phil war ‚avant-garde‘. Er hatte ihr Schweigen auch richtig gedeutet, wie sich zeigte. „Nun, du hast nicht viel von dir gegeben,“ sagt er. „Du teilst wohl nicht die Meinung meines Kollegen, oder?“

Sie nickt. Brennend an Phil’s Ansichten interessiert, sie wollte ihn in ein entsprechendes Gespraech verwickeln. Das beginnt man natuerlich am bestens mit einer recht offenen Frage. 

Langsam und jedes Wort betonend, fragt sie daher: „Was  g l a u b s t  d u ?“  Die Frage ist zu komplex, um sie einfach beantworten zu koennen. Es genuegt schliesslich nicht, zu sagen, ich glaube an einen Gott oder ich glaube nicht.

Er sieht sie nachdenklich und schweigsam an, als ueberlegte er, ob er sich tatsaechlich auf ein solches Gespraech mit ihr einlassen wollte. Dann sagt er, offensichtlich bereit, sich ihr mitzuteilen:

„Nun, ich bin ein sogenannter Atheist, oberflaechlich gesehen, - zumindest in der Bedeutung, dass ich keiner bestimmten Glaubensrichtung angehoere. Ich habe meine persoenliche Lebensphilosophie. Es ist meine Art zu glauben. Freilich ist es mehr als Glauben fuer mich. Ich bin von meiner Philosophie ueberzeugt und es ist fuer mich nur eine Frage der Zeit, wann sich meine Ansichten durch Fakten belegen lassen. In diesem Sinne bin ich nicht viel anders als jeder Glaeubige, der davon ueberzeugt ist, die Wahrheit zu kennen.“

Sie ist ungeduldig und fragt erneut: „Nun, an was glaubst du?“

Da ist wieder dieser forschende Blick, aber dann antworted er doch, mit einem verschmitzten Laecheln: „Ich glaube an mich!“

Femina erinnert sich, welche Erleichterung und Freude sie damals empfunden hatte.   Mit einem Laecheln erwidert sie: „Das habe ich fast erwartet. Aber bitte fahre fort, ich will mehr wissen. Wie sieht das praktisch aus?“

„Nun,“ antwortet er, „ich bin Schoepfung und ich bin Schoepfer. Ich bin mein Gott, oder auch anders ausgedrueckt, ich  b i n  Gott.“ Sein Laecheln vertieft sich, sein Blick wandert in die Ferne und Stille liegt darin.

So ist es mit ihr. Sie ist ebenso still. Es tut so gut, Menschen um sich zu haben, die diesselbe Sprache sprechen. Es tut so gut, wenn man Seinesgleichen begegnet. Auch wenn die Uebereinstimmung nicht vollkommen sein kann, man bewegt sich auf der gleichen Ebene. Phil war Partner, nicht Gegner. Sie beide sind bemueht Antworten zu finden, ohne jedoch das Beduerfnis zu haben, ihre Meinung anderen aufzwingen zu wollen. Sie wusste nun, er war einer der ihren, vom gleichen Schlag. Und das kam so unerwartet, und es war so willkommen. Es gibt Femina auch jetzt wieder das Gefuehl einer besonderen Geborgenheit. Sie war und ist nicht alleine.         

 

   

 

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Kommentare

  • Ingrid Hashish-Hematyar
    Ingrid Hashish-Hematyar Samstag, 30 Mai 2015

    Ein ebenso heikles, wie auch berührendes Thema! Ich denke, dass es kaum einen Menschen gibt, der noch nicht ans " Aufhören" gedacht hat. Aber daran zu denken und es dann aber auch tatsächlich zu tun, da ist noch eine ganze Welt dazwischen. Umso trauriger, wenn man dann wirklich dem allen ein Ende setzt. Wie verzeifelt muss man sein???? Aber selbst bestimmen, ob und wann es geschieht, ja, dafür bin ich sehr! Dieses Thema beschäftigt mich mehr als es gut für mich ist!!

  • Femina
    Femina Sonntag, 31 Mai 2015

    Liebe Seelenschwester, ich weiss, dass dieses Thema konfrontieren mag, vorallem wenn man sich damit beschaeftigen muss. Trotzdem hoffe ich von Herzen, dass Du Deine Gedanken und Gefuehle nicht allein mit Dir herumtraegst oder in dir vergraebst. Freilich, das mag manchmal der einzige Weg sein, damit zurechtzukommen, aber ich bin immer fuer Dich da, vergiss das bitte nicht.

    xxxx
    Femina

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Gast Montag, 30 Januar 2023
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