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Ueber Erwartung und Hoffnung

Veröffentlicht von am in Generelle Themen

 

Es mag durchaus falsch sein, anzunehmen, dass Erwartung und Hoffnung ausschliesslich eine menschliche Angelegenheit ist. Erwartung ist ganz gewiss in der Tierwelt zu finden, Hoffnung zumindest unter den Primaten. Freilich ist es noch nicht lange her, dass man Tieren sogar Intelligenz und  Gefuehle abgesprochen hat. Sie hatten Instinkt, nicht mehr, trotzdem es offensichtlich war dass sie Schwerz empfanden und Wohlbefinden ausdruecken konnten. Jeder Tierfreund und Haustierbesitzer bestand darauf, dass sein Tier mehr als nur Instinkt getrieben war, aber wer hat diese Leute schon ernst genommen? Gluecklicherweise haben sich inzwischen neue Erkenntnisse durchgesetzt. Doch leider sind Tiere schwerer zu erforschen als Menschen, was deren Intellekt, Gefuehle oder gar Geisteskapazitaet betrifft. Sprechen wir daher besser ueber uns, unsere Erwartung und unsere Hoffnung. Was sind sie? Wozu haben wir sie?

Beide befassen sich mit der Vorwegnahme von Dingen, sind also zukunfts- gebunden, da nur die Zukunft bestaetigen kann, ob sich die Erwartungen oder Hoffnungen tatsaechlich erfuellen. Erwartung definiert sich als fester Glauben, dass etwas geschehen oder dass etwas der Fall sein wird, waehrend Hoffnung ein sehnlicher Wunsch ist, dass etwas geschieht oder so sein wird.

Es laesst sich leicht mit einem Beispiel demonstrieren: ‚Ich erwarte, dass viele diesen Artikel lesen‘, im Gegensatz zu, ‚ich hoffe, dass viele den Artikel lesen.‘ Was auch immer ich erwarte oder hoffe, nur die Zukunft wird mir zeigen, was tatsaechlich der Fall sein wird.

Erwartung offeriert mehr Gewissheit als Hoffnung. Es ist eher moeglich oder mehr wahrscheinlich, dass sich eine Erwartung erfuellt. Hoffnung andererseits mag vielleicht nur ein verzweifelter Versuch sein, sich nicht rettungslos verloren zu fuehlen, weil alle Umstaende sich gegen einem verschworen haben und so gut wie keine Aussicht besteht, dass sich das sehnlichst Erwuenschte ereignen wird.

Beide sind ein Produkt unseres Geistes, wobei ihr Ursprung den Unterschied markiert. Sie sind ‚Zwillinge‘, allerdings nicht identische, doch beide sind von unserem Intellekt kultiviert worden. Erwartung hat seine Basis im Verstand, mit logischen Schlussfolgerungen aus vergangenen Erfahrungen und Beispielen, waehrend Hoffnung in der Emotionalitaet verankert ist und mit Gefuehlen verknuepft, diesen erlaubt, den Verstand ueber den Haufen zu werfen.

Den Weg unserer Evolution zurueckverfolgend macht klar, dass die Entwicklung eines Organismus sich auf gepruefte Methoden begruendet, die wiederholbar und verlaesslich sind. Damit lassen sich Ergebnisse erwarten. Hoffnung war ganz gewiss keine Notwendigkeit. Doch die Mannigfaltigkeit und Spezialisierung in die verschiedenen Arten von Organismen und Lebensformen bedurfte einer soliden Basis, auf der aufgebaut werden konnte. ‚Es macht Sinn,‘ sprichwoertlich ausgedrueckt, denn eine Platform zu haben, von der aus operiert werden kann, schafft Sinn, es ist sozusagen der sichere  Boden, auf dem sich Neues ausforschen und ausprobieren laesst, um schliesslich  Modifikationen zu erlauben, die eine wesentlich bessere Chance fuer das Ueberleben bringen. Obwohl Neues natuerlich immer mit Risiken verbunden ist, ist es eher ein ‚kalkulierbares‘ Risiko und nicht ein blinder Versuch, in der Hoffnung, dass es schon klappen wird. Diese Prozesse beduerfen keines bewussten Geisteszustandes. Biologische Gegebenheiten (oder Umstaende) und Sensorium (oder Sinn), leiten den Organismus in seinem Streben ums Ueberleben. Allerdings waere es zu simplistic, den Schritt vom Erprobten zu neuen Praktiken als Zufall oder Unfall abtun zu wollen. Es muss eine Initiative vorhanden sein, die Fortschritt foerdert, ebenso eine genuegende Anzahl von Probanden und die Moeglichkeit einer Informationweitergabe, sowohl fuer das aktuelle Geschehen als fuer die Weitergabe an die naechsten Generationen. Ohne diese Voraussetzungen gaebe es weder eine Entwicklung und schon gar keine Evolution. Es ist eine rudimentaere biologische Intelligenz, roh und ungehobelt, an Substrat gebundenen mit materiellem Anfang, das sich im Schneeballeffekt zur Lawine entwickelt bis zu unserer heutigen geistigen Kapazitaet, mit eigenem und fortlaufendem Momentum, das sich nur durch Umstaende aufhalten laesst. Biologische Gegebenheiten uebersetzen sich in die geistige Ebene mit all den geistigen Funktionen in der Folge, zuerst executiv, dann abstrakt. Es ist eine Transformation des Biologischen und ein Sublimierungsprozess, der sich unentwegt fortsetzt, ausser Bedingungen verhindern das. Das biologische Grundwesen, oder wenn man so will, die Natur, bestimmt und leitet Leben, grundsaetzlich und eindeutig solange Materie eine Rolle spielt, erfaehrt aber in diesem Prozess selber eine Verfeinerung, ‚raffiniertes Substrat oder geistige Speziealisierung‘. 

Hoffnung ist keine biologische, aber eine emotionale Notwendigkeit. Menschen brauchen die Hoffnung und sind unter Unstaenden bereit ihrem Leben ein Ende zu setzen, wenn sie Hoffnung verlieren. Es ist daher durchaus rationel folgenden Schluss zu ziehen, naemlich, dass Erwartung und Hoffnung biologische und emotionale Instrumente sind, die uns am Leben erhalten und unseren Fortbestand foerdern.

Erwartungen sind logisch und im Einklang mit unserem Verstand. Hoffnung ist unlogisch und im Einklang mit unserer Emotionalitaet. Wir sind daher wesentlich mehr enttaeuscht, wenn sich unsere Erwartungen nicht erfuellen, im Gegensatz zu Hoffnung wo Enttaeuschungen leichter verkraftet werden. Sicherlich hat jeder zumindest einmal in seinem Leben erlebt, dass ein Versprechen nicht eingehalten worden ist, oder ein Vertrag trotz aller Versicherung gebrochen wurde oder dass  Freunde, Arbeitgeber oder gar Regierung unser Vertrauen in sie missbrauchten. Gebrochene Herzen, koerperliche Qualen, Geistesverwirrungen sind alles moegliche Konsequenzen, weil man so fest daran glaubte, dass andere sich so verhalten wie sie sagen oder wie sie es ohnehin tun sollten. 

Wir erwarten, dass der Tag auf die Nacht folgt, dass die Sonne aufgeht und dass wir jeden Morgen aufwachen. Selten denken wir daran, dass dies nicht unbedingt so sein mag. Es ist jedoch so wahrscheinlich, dass wir uns in falscher Sicherheit wiegen. Aber wenn wir nicht einmal dem Lauf der Natur voll vertrauen koennen, wie koennen wir das dann mit Menschen? Aus diesem Grunde fuehrt man Regeln ein und beschliesst Gesetze, so dass wir uns sicher und beschuetzt fuehlen koennen. Leider ist das keine Garantie, denn jede Regel, jedes Gesetz kann gebrochen werden. Nichts desto trotz, die Natur hat ihre Gesetze, jede Gesellschaft schafft sich die ihren und jeder einzelne Mensch hat seine eigenen internalisierten Gesetze, mit dem Gewissen als Richter. Das Ausmass der Konsequenzen bei Gesetzesbruch haengt natuerlich davon ab, wie maechtig die Gesetze sind. Es bringt in jedem Fall Leiden, unter Umstaenden den Tod.

Es ist durchaus verstaendlich, dass unerfuellte Erwartungen und Hoffnungen, Menschen zur Verzweiflung bringen koennen. Nicht jeder ist faehig mit den Schmerzen, die damit verbunden sind, zu leben oder fertig zu werden. Allerdings, solange ein Schimmer von Hoffnung besteht, wenn auch nur im Entferntesten, dass sich die Lage bessern koennte, kaempft der Verzweifelte weiter. Wenn nicht, mag er sein Leben beenden wollen.

Hoffnung ist der Retter, egal wie irrational das sein mag. Unser Verstand hat kein Recht sich zu ruehmen, dass er mehr Wert hat als unsere Emotionalitaet, nur weil er ‚rational‘ ist. Wir sind naemlich geneigt zu glauben, dass Emotionen, oder eben unsere Gefuhle, weil sie nicht vom Verstand dirigiert werden, irrational und daher negativ sind. Das ist jedoch eine Interpretation, kein Werturteil. Stimmt, wir moegen falsche Entscheidungen treffen, wenn unsere Emotionen heiss laufen und wir im Strudel der Gefuehle handeln. Stimmt, Hoffnung mag keine realistischen Ansprueche auf eine bessere Zukunft haben. Doch Tatsache ist, dass sich das Unerwartete und Unvorhergesehene sehr wohl ereignen kann. Grad so gut wie sich Erwartungen und Ueberzeugungen als nichtig erweisen koennen, grad so gut gibt es das Unberechenbare und die sprichwoertlichen Ueberraschungen. Emotionalitaet hat auf jeden Fall und trotz seiner zweifelhaften Reputation, ihren Wert. Man moege sich nur daran erinnern, dass sich unsere Intuitionen sehr oft als richtig herausstellen, und wir oft genug bereuen muessen, wenn wir sie unbeachtet oder als ‚irrational‘ beiseite geschoben haben. Unser Verstand kann uns naemlich sehr wohl irrefuehren und tatsaechlich koennen auch Erwartungen irrational sein. Es ist generell fragwuerdig allgemein uebliche Behauptungen kritiklos zu akzeptieren. Rationelles Denken kann extrem hinderlich sein. Mit seinem Hin und Her Ueberlegen, moegen wichtige Entscheidungen zu spaet getroffen werden, waehrend unsere Gefuehle unmittelbar sind und eine schnelle Entscheidung mag tatsaechlich in unserem besten Interesse sein. Es ist daher fair zu sagen, dass wir unserer Emotionalitaet genauso gut vertrauen koennen wie unserem Verstand, oder genauo wenig. Beide haben denselben Stellenwert, wir sind bloss nicht sehr kompetent in ihrer Handhabung. Wir sind entweder zu intellektuell, oder zu emotional, weder das eine noch das andere dient uns zu gut wenn es ausschliesslich ist.

Unsere Intelligenz hat uns einseitig gemacht, indem es unseren Verstand favorisiert. Freilich, alle unsere Errungenschaften sind vorwiegend der Foerderung unseres Intellekt zu verdanken, doch das geschah auf Kosten unserer intuitiven und emotionalen Funktionen, welche nun in diesem Sinne und korrekterweise irrational genannt werden. Ihnen ein negatives Stigma anzuheften, als ob unsere Intelligenz mehr Wert habe und nur ihr zu vertrauen sei, ist allerdings nicht gerechtfertigt. Es stellt die beiden in Opposition wie die Boxer im Ring. Aber es ist ein Kampf der Giganten ohne Sieg. Auch wenn im Moment unsere Intelligenz die Oberhand hat, ist das langfristig nicht im besten Interesse des Menschen. Er ist der wirkliche Verlierer, ohne es zu wissen oder wahrzunehmen. Verstand und Gefuehl muessen zusammenarbeiten, nicht gegeneinander, keine Einseitigkeit, keine Bevorzugung des einen oder anderen. In jedem Fall kann man in beiden schwelgen, einmal da, einmal dort, solange man sich dessen  bewusst ist und deren Limitationen wahrnimmt.

Kann man jemals verhindern, in Erwartungen gefangen zu werden? Nein! Unser Leben wuerde zu kompliziert sein, muesste sich unser Gehirn staendig mit grundsaetzlichen Kalkulationen beschaeftigen bevor Entscheidungen gemacht und wir unseren taeglichen Obliegenheiten nachgehen koennten. Tatsaechlich waere unser Gehirn ueberfordert und nichts wuerde erledigt werden. Es ist jedoch ratsam zu akzeptieren, dass auch Erwartungen irrational sein koennen und dass es zwar Wahrscheinlichkeit aber keine Sicherheit gibt, dass sich Erwartungen erfuellen. Ausserdem ist es ratsam, wir erinnern uns daran und lehren unseren Kindern, dass es ungesund und selbstzerstoererisch ist, zuviel oder zu wenig von sich oder anderen zu erwarten. Sei vernuenftig! Erwartungen sind hilfreich und ein fester Bestandteil unseres Lebens, aber nur im richtigen Zusammenhang und innerhalb ihrer Grenzen.

Sind wir jemals ohne Hoffnung? Nein! Hoffnung ist selbst dann vorhanden, wenn jemand sein Leben beenden will, weil es unertraeglich scheint oder ist, weil er  keine Aenderung seiner Situation in Betracht ziehen kann. Doch er hofft, dass mit dem Ende dieses Lebens seinem Leiden ein Ende gesetzt werden kann. 

Ja! Hoffnung ist irrational. Trotzdem, es gibt keine falsche Hoffnung. Hoffnung ist weder falsch noch richtig denn sie ist qualitativ ein Wunsch. Es ist unser Verstand, der sich um Moral Sorgen macht. Hoffnung ist das Licht im Leuchtturm, das uns in der geistigen Umnachtung und im Sturm der Gefuehle Rettung verheisst. Besinne Dich! Die beste Chance auf Rettung kann nur dann wahrgenommen werden, wenn wir Aktion waehlen anstatt Selbstbetrug. Das Boot kann noch immer sinken, bevor es sicheres Land erreicht, auch wenn wir das Licht vor uns sehen.   

Weil Erwartung und Hoffnung der zukuenftigen Bestaetigung beduerfen, sich ein Paradies oder ein echtes Ende von Allem nach dem Tode zu erwarten oder zu erhoffen, mag sich erfuellen oder auch nicht. Was auch immer wir uns wuenschen oder erwarten liegt in der Zukunft. Aber dafuer haben wir ja die Hoffnung, nicht wahr? Irrational! Und doch, wunderbar!       

 

 

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