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DNS II, Kapitel 2, Teil 2

Veröffentlicht von am in Buch Kapiteln

 

Der lange Gang ist schrecklich kalt. Die Lampen scheinen mueder als je zuvor. Sie ist auf den Gang hinausgeschluepft, um sich erneut zu ueberzeugen, dass sie nichts uebersehen hat und doch noch einen Weg findet, der sie diesem Haus entkommen laesst. Wieder muss sie zur Kenntnis nehmen, es ist nach wie vor unmoeglich. Oder etwa nicht? Sie hoert Stimmen. Bisher war sie nie an den jeweiligen Tueren im Gang interessiert gewesen, versprachen sie doch keineswegs einen Ausweg. Oder sollte das ein Trugschluss sein und sie kann einen Weg auf ganz andere Weise finden? 

Die Stimmen kommen von einer einfachen Tuer, die im Dunkeln liegt, abseits vom ohnehin schwachen Licht der Lampen. Sie presst ihr Ohr dicht ans Holz. Sie kann nichts verstehen, doch da sind verschiedene Stimmen, die sich angeregt zu unterhalten scheinen. Sehr eigenartig, dass sie zuvor nichts derartiges vernommen oder bemerkt hatte, als sie den Flur entlang lief, um das Ausgangstor zu inspizieren! Wie auch immer! Alles was mit diesem Haus zusammenhaengt ist eigenartig! Jedenfall ist ihre Neugierde und ebenso ihre Hoffnung geweckt. Sie will zumindest herausfinden, was da los ist und ob es ihr in irgendeiner Weise helfen koennte.  

Sie drueckt die Klinke nieder. Es knackt leise, aber das kann drinnen sicher keiner hoeren. Sachte oeffnet sie gerade weit genug, um hineinschauen zu koennen. 

Sie ist verbluefft, denn da drin ist eine feine Abendgesellschaft beim Dinieren. Luster brennen, Kristall funkelt, Diener huschen geschaeftig hin und her. Die Damen tragen grosse Toilette und die Herren sind galant. An einem Ende der Tafel unterhaelt man sich laut, waehrend die anderen Anwesenden sich hauptsaechlich mit dem Essen beschaeftigen. Der Tisch biegt sich naemlich mit  Koestlichkeiten. Ein Narr, wer sich das entgehen laesst! 

Sie erspaeht einen leeren Sitz. Ihr Entschluss steht fest, - genau da wird sie Platz nehmen und sich den Bauch vollschlagen, - man muss die Feste feiern, wie sie fallen, - und feiern tut sie immer gerne. Leider wird da nichts draus. Die Diener halten sie auf. ‚Sie sei nicht geladen‘, sagen sie, ‚sie gehoere da nicht hin.‘ Was wissen denn die!

„Ihr seid wohl nicht bei Trost,“ sagt sie. „Ihr wisst nicht, wer ich bin! Ich bin die Comtezza Creme de la Creme!“

Sie sind daraufhin verunsichert. Weil sie jedoch so selbstverstaendlich an der Tafel Platz nimmt und niemand der Herrschaften protestiert, laesst man sie in Ruh und serviert ihr denn auch, wie sich’s gehoert. Leider taucht ein neues Hindernis auf, das sie vom Genuss fernhaelt. Die Koestlichkeiten auf dem Tisch sind ungeniessbar. Sie sind nichts als gefaerbtes Papiermache`. Die lieben Leutchen um sie aber hauen rein, als aessen sie die besten Delikatessen. Sie essen wahrscheinlich nur mit den Augen, denn schmecken tut das Zeug nach dem, was es ist, - P a p p e . Sie langt nach der Karaffe mit Wasser, den Wein versucht sie gleich garnicht mehr. Sie schenkt sich ein, nimmt einen Schluck. Es ist ausgezeichnet und damit trinkt sie es in einem Zug leer. Also doch ein Tisch mit Koestlichkeit, wenn auch anders als erwartet. Sie lehnt sich zurueck und betrachtet die Gesellschaft. Dabei laeuft  der volle Sound. Die aufgeregten Stimmen unterhalten sich ueber die Jagd. ‚Eine Gesellschaft also, die gern Boecke schiesst. Na ja!‘

Ihre Tischnachbarin wendet sich ploetzlich an sie, nachdem sie sie zuerst einer genauen Musterung unterzogen hat. „Ach meine Liebe,“ sagt sie, „was haben sie doch fuer ein originelles Kostuem an. Zauberhaft! Wirklich ganz reizend! In Saturnia, muessen sie wissen, ist das der letzte Schrei. Oder waren sie grad erst dort?“

Femina schaut an sich runter. Sie traegt noch immer ihre Jeans und ein T-shirt. ‚Aber wenn die Nachbarin meint, sie habe Saturnia’s dernier cri, bitte schoen!‘ Der Tischnachbar auf ihrer anderen Seite muss an Saturnia interessiert sein, denn sogleich fragt er sie: „Aus Saturnia kommen sie? Wie interessant!“

Sie winkt ab. „Nein, nein! Ich komm von nebenan,“ sagt sie, um jedes weitere unnuetze Gespraech zu unterbinden. 

Der Nachbar laesst sich jedoch nicht beirren.„Seinen sie froh, dass es so ist. Die haben dort im Augenblick ganz wilde, soziale  Probleme. Sie mussten den Notstand ausrufen.“

„Ach, wen kuemmert das schon!“ antwortet die Madame Klunker. „Die Offiziere, meine Liebe,  d  i  e  muessten sie erleben! So charmant, und richtig verwegene Burschen!“ Ihre Augen funkeln verraeterrisch.

Der Tischnachbar raeuspert sich, seine Augen zucken nervoes. ‚Er ist sicher impotent‘, denkt Femina, ‚sonst wuerde er ja wohl nicht in Verlegenheit kommen.‘

Sie versucht, ein huebsches Gesicht unter den Anwesenden zu finden. Es gibt kein einziges. Weder Kleider, noch Schmuck, noch Make-up koennen da was retten. Kein Wunder! Bei der Lebensart, – Papiermache`fresser!

Sie will gerade aufstehen, um diese Gesellschaft zu verlassen, als ein kleines Ensemble auftritt und eine Vorstellung gibt. Sie sind vom fahrenden Volk. Ihre Ausstattung ist bescheiden aber farbenpraechtig, und sie sind brilliante Komoedianten. Schoene Menschen, mit glutheissen Augen und Kraft im Blut, Femina kann ihren Pulsschlag wahrnehmen und sie bildet sich ein, sie muesste sie kennen. Sie sucht in ihren Gesichtern. Nein, die sind ihr zwar nicht fremd, aber gesehen hat sie sie trotzdem noch nie. In jedem Fall, der Geiger hat es ihr angetan. Sie will ihn unbedingt kennenlernen, was nicht schwer ist, denn das Interesse beruht auf Gegenseitigkeit. Ueberhaupt ist sie die Einzige, die die Vorstellung geniesst, und auch die einzige, die applaudiert. Die noblen Gaeste lachen halt nicht gerne. Das versteht sie, bei dem Essen muss einem ja das Lachen vergehen.

Als das Ensemble abzieht, schliesst sie sich ihnen an. Sie bleibt ein paar Tage bei der Truppe. Das heisst, es sind die Naechte, die sie dort verbringt. Am Tag erscheint sie wie gewoehnlich im Bildungszentrum, um kein Aufsehen zu erregen. Aber sobald es dunkel wird, verschwindet sie hinaus an den Stadtrand zum Karavanenpark, wo sich ihre Freunde niedergelassen haben. Es ist eine intensive Zeit mit ihnen, voll von berauschender Romantik und ernuechternder Leidenschaft. Leider muessen sie bald wieder weiterziehen. Die Stadtvaeter weisen sie aus. 

Femina faellt das Abschiednehmen ungemein schwer. Es scheint, als naehmen sie alles Leben mit sich. Obwohl vieles dagegen spricht, sagt sie zu ihrem Geigenkuenstler impulsiv, dass sie mitkommen moechte. Er schaut sie lange an und schuettelt dann den Kopf. „Du suchst die Freiheit,“ sagt er, „nicht mich! Und was unsere Truppe betrifft, - koenntest du dich an unsere Regeln gewoehnen?“.

Freilich hat er recht. Ueberfluessig, darauf zu antworten. Sie ist allerdings ein wenig enttaeuscht, dass er keinen Grund findet, sie mitzunehmen. Andererseits ist sie ihm dankbar, dass er seinen Verstand behalten hat. Ein Grund mehr ihm einen festen Platz in ihrem Herzen einzuraeumen. Abgesehen davon, von Anpassung will sie schon garnichts hoeren. So sagt sie denn adieu und winkt ihnen nach, als ein Wagen nach dem anderen den Karavanenpark verlaesst.

   

 

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Gast Montag, 30 Januar 2023
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