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DNS, Kapitel 3, Teil 1

Posted by on in Buch Kapiteln

 

Wochenende! Es ist rasch gekommen, aber das denkt sie immer, sobald es da ist. Sie sind ins Gruene gefahren. Um diese Jahreszeit allerdings ist nicht mehr viel Gruenes zu sehen. Die Wiesen sind es noch und einige Baeume, aber groesstenteils ist das Laub bunt geworden und eifert im Wettstreit um die leuchtendste Farbe. Sie spazieren durch lichten Mischwald. Die Kleine sammelt verschiedene Blaetter, Samenkapseln und Zweige. Sie haben Warmes zum Anziehen mitgenommen, denn ohne Sonne ist es recht kuehl. Femina hat mehr dabei. Sie wird die Nacht im Freien verbringen. Fuer dieses Jahr das letzte Mal, in dieser Gegend das letzte Mal ueberhaupt. Sie hat keine Absicht jemals wieder zurueckzukommen, wenn sie das Land erst einmal verlassen hat. 

Es gibt hier wenig unberuehrte Natur, ein Umstand, den Femina ungemein bedauert, da es fuer sie ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. Hier gibt es sie nicht, die Schoenheit der Natur, die ihre Sinne anregt. Das war einmal, bevor die Menschen es schnellstens geschafft haben, all das loszuwerden. Tatsaechlich ist das Land verbaut. Es gibt Betonlandschaften, ja, und es gibt Erholungsstaetten fuer die Bevoelkerung, die an den Wochenenden massenweise aufgesucht werden. Aber es ist ganz selten, dass man Gegenden findet, die noch nicht voellig zerstoert worden sind. Da, wo sie gerade spazieren und die unmittelbare Umgebung, ist so eine Oase. Es ist erstaunlich, dass es sie gibt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Gegend zu weit weg ist fuer Tages- und auch Wochenendausfluege. Obendrein gibt es keine richtige  Strasse fuer die blitzblanken Autos und Motorraeder. Es ist nur ein breiter Landweg vorhanden, holprig und ohne Asphalt. Es gibt ausserdem nichts Interessantes zu sehen, das die Massen anlocken koennte und schon garnichts zu tun, das die Anreise die Muehe wert machen wuerde. Femina war hoechst beglueckt, dieses verlassene und vergessene Stueck Natur zu entdecken, eine Insel in einer sonst oeden Gegend. Sie kam des oefteren an einem Wochenende und verbrachte die Nacht im Freien.   Sie blieb vollkommen ungestoert, denn nur selten gab es Leute, die sich hierher verirrten und wenn schon, blieben sie auf keinen Fall fuer die Nacht. Meist waren es ohnehin nur die lokalen Dorfbewohner, denen sie begegnete, eine winzige Ansiedlung mit vorwiegend alten Leuten, weil die Jungen in die Staedte zogen um Arbeit und Vergnuegen zu finden. Sie glaubt nicht, dass jemals jemand ihre naechtliche Anwesenheit wahrgenommen hat. Die Leute schienen mit ihren Huehnern schlafen zu gehen. Sie hatten kleine Gaerten, in denen sie Gemuese fuer den Eigengebrauch anlegten und es gab einige Kuehe, Schafe und Ziegen, die sie tagsueber auf ihren Wiesen grasen liessen. Femina fand es idyllisch, doch sie wusste, dass die Bewohner aus Notwendigkeit handelten, ganz und garnicht privilegiert waren oder einem Hobby nachgingen. Sie waren allerdings freundlich und schienen mit ihrem Los zufrieden zu sein. Das hatte sie  bei diversen, wenn auch seltenen Gelegenheiten, feststellen koennen.

Sie muessen noch ein wenig weiterwandern um zum Steilstueck mit dem verwachsenen Pfad zu kommen. Es geht dann vielleicht dreihundert Meter aufwaerts. Man muss genau  schauen, um seinen Weg zu finden, denn es geht zwischen den Baeumen und Gestein, mit Laub und Astwerk bedeckt, wie es scheint, nach nirgendwo. Doch sie ist so oft hierhergekommen, sie weiss wo es lang geht. Und so ist es auch heute. Sie findet den Einstieg vom Hauptweg ohne Probleme. Sie steigen hoch bis sie an einen anderen Pfad gelangen, der sie quer ueber den Hang fuehrt. Das ist viel leichter als der Anstieg, denn er verlaeuft in weicher Erde, ziemlich frei von Gestein. Nach kurzer Zeit erreichen sie ein kleines grasiges Plateau, das teilweise durch eine ueberhaengende Felsnase wettergeschuetzt ist, zumindest gut genug, um einen unerwarteten  Regenschauer trocken zu ueberstehen. Weniger, wenn es sich um ein Unwetter handelt, wie sie aus Erfahrung weiss. Verfolgt man den Pfad noch ein Stueckchen weiter, gelangt man an einen kleinen Wasserfall, der zwar kein besonderer seiner Art ist, aber gutes Wasser fuehrt, vom Inneren der Erde und dem Gestein hoeher ab. Man kann sein Rauschen hoeren, wenn man auf dem Plateau sitzt und auf die Geraeusche der Natur achtet.

Sie setzen ihre Sachen ab. Femina breitet ihre Isoliermatte aus und daruber die Strohmatte, worauf sie sich niederlassen. Von hier aus hat man eine herrliche Ausicht, denn irgendwann war ein Streifen Wald abgeholzt worden und obwohl Buschwerk versucht, die Wunde abzudecken, ist es noch nicht hoch genug gewachsen, so dass der Ausblick freie Sicht erlaubt.

„Da bleibst du heute Nacht?“ fragt die Kleine, und langt begeistert nach den Wurstsemmeln, die Tina auspackt.

 Femina nickt. „Es ist schoen hier,“ sagt sie. „Schau doch, wie weit du deine Augen schweifen lassen kannst! Und all die Farben, die dir da entgegenleuchten! Und wenn dann am Abend die Herbstnebel aufziehen und am Morgen wieder entschwinden, das ist ein Schauspiel ganz zauberhaft und meisterhaft.“

„Warum bleiben wir nicht auch?“ fragt die Kleine weiter.

„Heute nicht, mein Schatz,“ erwidert Tina. „Wir schlafen im Gasthaus, im kleinen Dorf da unten. Es ist viel zu kalt fuer dich.“ 

Die Kleine schaut suchend in die angegebene Richtung. Sie braucht eine Weile bis sie die Giebel einiger Haeuser ausmachen kann, da die Daecher mit ihrem Grau und verblichenem Rot im Bunt der Blaetter verborgen sind. Sie scheint nicht besonders beeindruckt zu sein.

„Ich kann mich warm anziehen. Also warum bleiben wir nicht hier mit Femina?“

Doch Femina winkt ab. Sie erklaert ihr, dass sie lieber allein bleiben wuerde, da sie vorhat zu meditieren und sich nicht vorstellen koennte, dass das fuer ihre liebsten Freundinnen von Interesse sei.

„Ach so,“ meint die Kleine und ist damit zufrieden. Sie hat tatsaechlich keine Lust dazu. Ihre Mutter hat sie bereits mit den Prinzipien vertraut gemacht, sie weiss also Bescheid, aber wenn es Dinge zu entdecken gibt, mag sie garnicht stillsitzen und ein Abend in Meditation ist fuer sie kein Beduerfnis. Sie leert den Inhalt ihres Stoffbeutels  mit den angesammelten Schaetzen auf die Matte und beginnt diese auszusortieren und einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Die Sonne wandert stetig auf flacher Bahn, scheint mild und laesst die Muecken tanzen. Da drueben sind ein paar ganz uebermuetige. Sie schrauben sich wie Helikopter in die Hoehe und ueben sich dann im freien Fall, die Fluegel als Fallschirm ausgespannt. Die langen Beine haengen dabei locker nach unten und helfen auf dem Wege nach oben mit Schwimmbewegungen grad so als tauchten sie vom Meeresgrund zur Wasseroberflaeche. Sie koennen von ihrem Spiel, so scheint’s, garnicht genug kriegen, denn es geht auf und ab, und auf und ab. Sie sehen aus wie quietschvergnuegte Elfenwesen, die nichts anderes als Unsinn im Kopf haben und die Natur als ihre Spielwiese betrachten. Femina macht die beiden auf diese Spassvoegel aufmerksam. Sie betrachten eine Weile deren Treiben, das unermuedlich weitergeht und werden selbst ganz froehlich dabei. 

„Wie lange diese Tierchen wohl leben?“ meint Femina nach einiger Zeit sinnierend. 

„Keine Ahnung!“ Tina lacht vergnuegt. „Vielleicht nur ein paar Stunden, so wie sich  auffuehren! Ich weiss nicht einmal welche Spezie das ist. Sie sterben aber sicher unbekuemmert und hatten auf jeden Fall ihren Spass, zumindest schaut es so aus, nicht wahr?  Ob fuer Stunden, Wochen, das spielt doch keine Rolle! Ich muss schon sagen, ich finde sie umwerfend. Ich habe diese Art Muecken nie zuvor gesehen.“

Irgendwo  zwischen den Baeumen ruft ein Kuckuck. „Huebscher Platz,“ meint sie, „wie geschaffen, sein ICH zu pruefen und sein Gleichgewicht zu spueren.“

Femina nickt: „Absolut! Wie oft habe ich mich hier regeneriert und stabilisiert!“

„Na ja,“ meint Tina, „jetzt dauert es ja nicht mehr lange, dann hast du’s hinter dir und kannst adieu sagen!“

Femina seufzt tief auf. „Viel laenger koennte ich es auch nicht ertragen. Wenn mein Leben so grauenvoll bleiben wuerde, ich koennte mich garnicht genug mit dem Sterben beeilen.“

Sie schaut das Tal entlang. Es ist zum Weinen. Weit draussen, unter einer braunen Dunstglocke verborgen, lauert gnadenlos der Tod. Sein stinkender Atem steigt hoch in die Luft. Viele meinen, er bringe den Segen, Armut gibt es doch nicht mehr. Zur Zeit bringt er allerdings mehr sauren Regen und Hungernde gibt’s wie Sand am Meer.

‚Na ja,‘ sie seufzt erneut. ‚Wem sollte sie einen Vorwurf machen? Nur wenige verstehen das PRINZIP DES GEGENSAETZLICHEN, und dass das ERHALTENDE in dessen Mitte liegt.

Sie wird schweigsam, ihr Koerper will einfach nicht mehr. Tina geht mit der Kleinen zum Wasserfall, laesst sie verstaendnisvoll allein.

Mit der Stille, die sie ploetzlich umgibt, erholt sie sich sogleich wieder und sie sieht wieder klar. Sie fuehlt sich mit der Natur verbunden, - Materie - , verbindende Strukturen. Muster, - Gitter - , - Kerkerfenster - , so argumentiert allerdings nur ihr Verstand, weil er naemlich nicht ohne Koerper leben kann. Sie selbst fuehlt sich in der Materie durchaus zu Hause. Da ist ihr Ursprung und da endet sie. Sie laechelt. Das tut sie immer, wenn sie die Natur zum Spiegel macht. Die Komplexitaet eines harmonischen Systems blickt ihr entgegen, und mehr will sie garnicht sein.

Durch den Himmel zieht brummend ein kleiner silberner Fisch. Nicht weit von ihr, auf einem Gestein, macht sich’s eine Schlange gemuetlich. Wie verschieden die Welt der Schlange zu der ihren ist. Infrarotbilder kann Femina nicht sehen, um nur einen Unterschied zu nennen. Aber das  WOHLBEFINDEN  gilt wohl allen gleich, ob Schlange oder Fisch oder Gestein, nicht einmal das laesst sich davon ausnehmen, sucht es sich doch immer einen Platz zum Ruhen. Intelligenz als Regisseur ist nur halb so gut, es sind die Gefuehle die dirigieren. Das eine wie das andere ist unbegreiflich, ja schwer zu fassen, weil ihr Korrelat zur Struktur unbekannt ist, auch wenn die Prozesse ersichtlich sind. Wer weiss, das mag durchaus das Beste sein fuer alle, denn es gibt immer den Missbrauch, die Kehrseite jedes Nutzens. Und doch! Beweise sind notwendig! Der Glaube allein reicht nicht. Sonst bleibt die Wahrheit immer nur Geschmacksache. 

Zuviele Gedanken beginnen durch ihren Kopf zu schwirren und versuchen einen Aufruhr. ‚Femina, Femina,‘ ruft sie sich zur Ruhe, denn sie scheint auf eine Krise zuzusteuern. Sie versucht allerdings den Krisenherd zu vermeiden, eine automatische Reaktion, aber voellig sinnlos, denn sie verpufft damit nur ihre Energie mit all dem Probieren und Strampeln um der Konfrontation aus dem Wege zu gehen. Da sind Tausende von Dingen, die sie abzulenken versuchen und sie faellt prompt darauf rein! Dabei ist es nur Zeit, die Zelte abzubrechen, oder....? Aber was ist dann der Krisenherd? 

Die Rueckkehr ihrer Freunde unterbricht sie. Sie waren tatsaechlich eine gute Weile fortgewesen, stellt Femina fest. Die Sonne beginnt bereits blass und kalt zu werden. 

‚Wir werden bald aufbrechen,“ meint Tina, waehrend sie Obst verteilt. Femina’s Orange ist leider ein ausgetrocknetes Exemplar. Sie versucht es mit einer anderen, die ist aber auch nicht besser. Tina rollt ihre Augen. 

„Warum schmecken die Orangen nicht, wie sie schmecken sollen?!“ faucht Femina. Tina unterlaesst es zu antworten. Es ist am besten, nicht die Glut zu schueren. 

„Nimm meine, die ist in Ordnung,“ sagt die Kleine und streckt ihr die Frucht entgegen. Tina schmunzelt still vor sich hin.

„Iss nur,“ erwidert Femina, „mir ist die Lust vergangen. Aber danke fuer dein Angebot.“

Die Kleine zuckt mit den Schultern und verzehrt die Frucht ohne weiteren Komentar.

‚Ich koennte Tina an die Gurgel springen!‘ denkt Femina. Sie starrt ihre Freundin an, ohne Erfolg. Sie bleibt stumm, als gaebe es garnichts, worauf sie reagieren sollte. Das schuert Femina’s Glut erst recht. Sie starrt noch intensiver.

„Ach lass mich doch aus dem Spiel!“ sagt Tina schliesslich, „dein Zustand oder deine Krise,“ sie verdreht die Augen, „ist doch nichts Neues. Es ist hoechste Zeit dich deiner Widersprueche zu entledigen. Am besten ist, du gehst schnurstracks den Weg dazwischen.“ 

„Dass die Orange nicht gut ist hat doch mit banaleren Dingen zu tun als mit meinen Angelegenheiten!“ entruestet sich Femina

„Wenn du so meinst,“ stellt Tina nuechtern fest. „Du weisst natuerlich auch, wie sich das aendern liesse.........“ 

Femina nickt. 

„Gut,“ sagt sie, „dann aendere es!“ Ihre Freundin bleibt gelassen.

Aufforderndes Schweigen folgt. Femina sinkt in sich zusammen wie der angestochene Luftballon. Sie wird richtig kleinlaut. Puff, da gehen sie die Aggressionen. Wie kann sie vergessen, dass Tina sie so leicht durchschaut. Falsches Manoever, entschaerfte Munition!

„Ich tu was ich kann,“ antwortet sie vage. 

„Ph,“ erwidert Tina abwehrend. „Kosmetik betreibst du, rennst im Kreis wie eine Verrueckte auf der Suche nach des Pudel’s Kern. Ehrlich meine Liebe, du wirst dein seelisches Gleichgewicht nie halten, wenn du Harmonie hochjubelst, aber deren Kehrseite nicht akzeptieren willst.“

„Du kannst ja auch einen Apfel essen, wenn dir die Orange nicht schmeckt,“ 

mischt sich die Kleine ins Gespraech. 

Sie will natuerlich helfen, aber Femina bleibt in der Defensive. „Ich koennte ja auch ins Orangenland fahren, wenn ich eine gute Orange will!“ sagt sie daher indigniert.

Tina schmunzelt. „Sie koennte natuerlich auch das System aendern, damit sie hier und jetzt eine gute Orange kriegt! – Nein, nein, meine Liebe! Femina leidet unter einem ganz anderen Problem.“

„Unter welchem Problem?“ Die Kleine laesst nicht locker. 

Wie starrsinnig Kinder sein koennen! Oder ist das die Eigenschaft des Alters?“ Verdammt! Schon geht sie wieder rund, die Schaukel in ihrem Kopf. „Das verstehst du doch nicht!“ sagt sie daher ein wenig ungehalten

Die Kleine schaut sie vorwurfsvoll an. „Kannst du es mir denn wenigstens erklaeren?“

„Eben nicht,“ klaert Muetterlein ihre Tochter auf, „drum ist sie ja so geladen, und selbst die Orangen werden zum Pulverfass.“

Die Kleine schuettelt verstaendnislos den Kopf. „Erklaer’s du mir, wenn sie es nicht kann!“ 

Nun ist es an Femina amuesiert zu sein. ‚Wie sag ich’s meinem Kinde??? Ein Thema so kompliziert!‘ Sie lehnt sich zurueck und wartet gespannt auf Tina’s Antwort.

Ihre Freundin ueberlegt, denn sie muss das Abstrakte beispielhaft machen, sonst kann’s die Kleine tatsaechlich nicht verstehen. Mit Philosphie hat sie noch nichts im Sinn, nur mit der Praxis.

„Vielleicht vergleichen wir es am besten mit einem Orchester,“ sagt sie daher nach einer Weile. „Also Femina hat ein Orchester und sie ist der Dirigent. Es spielt ausgezeichnet, besonders, wenn sie gemeinsam musizieren. Aber es aergert sie, dass die Musiker nicht immer so spielen, wie sie es wuenscht. Manchmal spielt naemlich jeder wie er will und was er will. Das kann ziemlich chaotisch sein und Femina rauft sich die Haare. Andererseits finden sich genau in diesem Chaos Gruppen zusammen, die was ganz Neues probieren, oder einfach nur Spass haben, ihre eigenen Talente unter Beweis zu stellen. Doch nein, das passt der lieben Femina nicht. Sie will Melodie, nicht Disharmonie. Im Uebrigen braucht auch das beste Orchester seine freie Zeit!“

Die Kleine schuettelt missbilligend ihren Kopf. Sich an Femina wendend, sagt sie: „Na hoer mal, in ihrer Freizeit koennen sie doch tun, was sie wollen!“

Femina nickt. „Das schon! Doch ist es viel schlimmer! Sie weigern sich auf meine Anweisungen zu hoeren. Sie unterlaufen meine Befehle! Sie revoltieren! Das ist das Problem!“

Die Kleine schaut ihre Mutter gross an. Femina hat durchaus ihre Sympathie.

Jedoch Tina erwidert prompt: „Mein Schatz, leider verdient sie dein Mitgefuehl ganz und garnicht. ‚Befehl! Order! Revolution!‘ Das ist der Wortschatz von Despoten, Tyrannen, Diktatoren!“

„Also erlaube mal! Ich als Dirigent hab‘ die Verantwortung! Ich weiss doch, worauf’s ankommt! Ich muss entscheiden, was gut ist und was notwendig!“

Doch da lachen die beiden anderen nur mehr. Kein Zweifel, die Kleine ist anti-autoritaer erzogen und sie kann daher mit ihren alten Ausreden baden gehen.

„Frag sie, ob sie schon einen Leibwaechter braucht, wenn sie das Pult betritt. Oder gar die Garde, um die Ordnung wieder herzustellen.“

Die beiden machen weiter ihre Witze und lachen.

„Ihr seid mir liebe Freunde,“ unterbricht sie sie. „Ich leide, und ihr treibt Spaesse mit mir!“ Das mit dem Leiden meint sie durchaus ernst und so versteht es auch die Kleine. Sie kommt heran und drueckt Femina einen dicken Kuss auf die Wange. Sie kriegt auch nicht immer, was sie will. Diesbezueglich fuehlt sie sich mit Femina durchaus solidarisch. Tina nimmt ihre Hand und drueckt sie in Mitgefuehl, waehrend sie eine Melodie zu summen beginnt. ‚That’s life......‘

Wie eigenartig, dass in Banalem soviel Drama stecken kann und im Drama soviel Genuss.

„Ach, ihr meine zwei suessesten, allerliebsten, treuen Freundinnen......!“ sagt sie und umarmt beide gleichzeitig, drueckt sie impulsiv an sich. Sie haelt sie solange fest, bis sie nach Luft schnappen muessen. Lachend befreien sie sich aus der Umklammerung, puffen sie in die Seite und kneifen sie, und schon ist die schoenste Balgerei im Gange. Die Voegel fliegen erschreckt auf einen hoeheren Ast, um das Ganze aus der Distanz zu beaeugen. Die Schlange hat sich laengst fortgemacht. Zuviel Rummel, koennte ja auch Gefahr bedeuten! Nur die Muecken tanzen weiter, ganz ungeniert. Sie sind sorglos, auch wenn die Welt auseinander bricht. 

Femina ist den beiden im Ringkampf unterlegen. Die Kleine kitzelt sie, waehrend Tina sie festhaelt. Sie wehrt sich ausgiebig, lauthals lachend, gibt aber schliesslich auf und sie lassen sie los. Sie verschnaufen ein wenig. Die Kleine wuerde ganz gern noch weiterbalgen, doch die Sonne steht bereits tief und Tina will aufbrechen. So beginnen sie ihre Dinge einzusammeln und arrangieren ihr morgiges Treffen unten im Dorf. Schliesslich verabschieden sie sich. Das Gelaechter der Kleinen ist noch kurz zu hoeren, doch dann ist Femina mit sich allein. 

 

     

 

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